22.09.2026
Grünes Licht für die Weheüberleitung: 5-Kilometer-Stollen zur Wehebachtalsperre kann kommen
Ein außergewöhnliches Infrastrukturprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Schevenhütte hat eine entscheidende Hürde genommen: Die Genehmigung für die sogenannte Weheüberleitung liegt vor. Damit kann die weitere Umsetzung des geplanten rund fünf Kilometer langen Stollens vom Hasselbach bei Zweifall bis zur Wehebachtalsperre vorbereitet werden.
Das Projekt ist gleich aus zwei Gründen von großer Bedeutung für unsere Region: Es soll die Trinkwasserversorgung langfristig absichern und gleichzeitig den Hochwasserschutz im Vichtbachtal deutlich verbessern.
Ein unterirdischer Weg zur Wehebachtalsperre
Geplant ist ein rund fünf Kilometer langer Stollen, der am Hasselbach oberhalb von Zweifall beginnt und bis zur Stauwurzel der Wehebachtalsperre führt. Mit einem Innendurchmesser von etwa 3,5 Metern entsteht tief unter der Erde ein beachtliches Bauwerk.
Das Besondere: Das Wasser muss nicht zur Talsperre gepumpt werden. Aufgrund des natürlichen Höhenunterschieds kann es allein durch das Gefälle fließen. Bis zu zwölf Kubikmeter Wasser pro Sekunde sollen auf diese Weise zur Wehebachtalsperre geleitet werden können.
Mehr Wasser für trockene Zeiten
Die Wehebachtalsperre nimmt eine besondere Stellung in der regionalen Trinkwasserversorgung ein. Anders als andere Talsperren der Region ist sie bislang nicht mit einem weiteren Talsperrensystem verbunden und damit vollständig auf das Wasser aus ihrem eigenen Einzugsgebiet angewiesen.
Wie problematisch das in längeren Trockenperioden werden kann, haben die vergangenen Jahre gezeigt: Zwischen 2018 und 2022 sank der Anteil der Wehebachtalsperre an der regionalen Wasserabgabe von etwa 25 auf nur noch 15 Prozent. Gleichzeitig wird damit gerechnet, dass der Trinkwasserbedarf während zukünftiger Trockenperioden um bis zu 20 Prozent steigen könnte.
Die Weheüberleitung soll deshalb in wasserreichen Zeiten zusätzliches Wasser in die Talsperre bringen und damit ihre Reserven stärken.
Gleichzeitig Schutz vor Hochwasser
Doch der Stollen soll nicht nur Wasser zur Talsperre bringen. Er soll im Ernstfall auch dafür sorgen, dass andernorts weniger Wasser ankommt.
Bei Starkregen kann ein Teil des Wassers aus dem Hasselbach über den neuen Stollen in Richtung Wehebachtalsperre abgeleitet werden. Dadurch soll insbesondere Zweifall erheblich entlastet werden.
Bei einem statistischen Jahrhunderthochwasser könnte der Hochwasserscheitel in Zweifall um rund 74 Prozent reduziert werden. Selbst in Vicht, Stolberg und Eschweiler soll noch eine Verringerung um etwa 15 Prozent erreicht werden.
Gerade vor dem Hintergrund der verheerenden Hochwasserkatastrophe von 2021 bekommt dieser zweite Zweck des Projektes eine besondere Bedeutung.
Erste Vorbereitungen werden bald sichtbar
Während ein Großteil des späteren Bauwerks tief unter der Erde verschwinden wird, werden die ersten Vorbereitungen schon bald oberirdisch sichtbar.
Im Bereich der Schleifmühle bei Zweifall sind Baumfällarbeiten vorgesehen. Deshalb wird dort ein Wanderweg vom 5. Oktober bis voraussichtlich 6. November 2026 vollständig gesperrt. Ein Durchgang soll während dieser Arbeiten nicht möglich sein.
Damit beginnt für die Öffentlichkeit gewissermaßen die erste sichtbare Phase eines Projektes, über das bereits seit Jahren geplant und diskutiert wird.
Baubeginn für 2027 vorgesehen
Mit der nun vorliegenden Genehmigung können die nächsten Schritte vorbereitet werden. Nach derzeitiger Planung soll der eigentliche Tunnelbau Mitte 2027 beginnen.
Die Fertigstellung ist bis Ende 2029 vorgesehen. Anfang 2030 könnte die Weheüberleitung dann ihren Betrieb aufnehmen.
Bis dahin steht unserer unmittelbaren Nachbarschaft eines der spannendsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre bevor.
Für Schevenhütte dürfte sich ein genauer Blick auf die Bauarbeiten lohnen. Schließlich endet der neue unterirdische Wasserweg praktisch vor unserer Haustür – in der Wehebachtalsperre.
Für diesen Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:
- WAG – Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel: Offizielle Projektinformationen zur Weheüberleitung, unter anderem zu Streckenführung, Wassermenge, Hochwasserschutz und geplantem Bauablauf.
WAG: Projekt Weheüberleitung - UVP-Portal / StädteRegion Aachen: Offizielle Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren. Dort werden der rund fünf Kilometer lange Stollen vom Hasselbach zur Wehebachtalsperre sowie die Ziele Trinkwasserversorgung und Hochwasserschutz beschrieben. Das Verfahren wurde im Portal zuletzt am 18. September 2026 aktualisiert.
UVP-Portal: Planfeststellungsverfahren Weheüberleitung - StädteRegion Aachen: Amtliche Bekanntmachung zum Planfeststellungsverfahren gemäß § 68 Wasserhaushaltsgesetz; sie enthält unter anderem Angaben zu Entnahmebauwerk, Stollenführung und Einleitung in die Wehebachtalsperre. Städteregion Aachen
- t-online Regional Aachen, 21.09.2026: Aktuelle Berichterstattung über den Abschluss des Genehmigungsverfahrens und die nun vorliegende Genehmigung sowie den vorgesehenen Zeitplan bis Ende 2029.
Aktueller Bericht vom 21. September 2026 - Aachener Zeitung, 13.03.2026: Ausführlicher Hintergrundbericht zum Tunnelprojekt, unter anderem zu Dimension, Verlauf und den vorgesehenen Funktionen für Hochwasserschutz und Wasserversorgung.
Aachener Zeitung: „Ein Riesen-Tunnelprojekt für (fast) die ganze Region“

